beim dieswochenendigen hauptstadtbesuch ist pedro erstmalig aufgefallen, dass an einem gitter an der oberbaumbrücke lauter schlösser hängen. die darauf gravierten initialen brachten ihn schließlich darauf, dass hier nicht ständig fahrräder geklaut werden, sondern, dass dies wohl die besonders schöne idee von pärchen ist, um symbolisch die beziehung zu besiegeln. schloss rum mit den namen drauf, schlüssel in die spree und wenn man mal streit hat, an den ort des schwures gehen und sich beim anblick des nächtlichen wassers sofort wieder vertragen. vielleicht liegt’s ja an seiner herkunft, aber pedro hatte vorher noch nie was von liebesschlössern gehört. und wie sollte es anders sein - das geht alles auch schon virtuell: liebesschlösserportal
Insekten sind einfach die coolsten tiere. Nachdem pedro in marokko eine echte gottesanbeterin auf der hand sitzen hatte, war der besuch im main-taunus-zentrum (kurz: mtz) eine pflicht. denn immer öfter haben center manager ganz gute ideen, wie sie die leute auch abseits des shopping-spaß noch unterhalten können. im mtz konnte pedro dadurch das wandelnde blatt sowie weitere mimikry-experten begutachten. pedro ist immer noch ganz paralysiert von den meisterhaften tarnungsmechanismen, die die natur hervorgebringt. da sind seine ehemaligen haustiere, die stabschrecken, fast schon langweilig. auf jeden fall können sie nicht mit den schrecken mithalten, die sich als orchideenblüte ausgeben. und schon gar nicht mit den orchideen, die sich ihre bestäubung sichern, indem sie sich als bienenweibchen verkaufen. faszinierend, die natur.
da isser, erst hat er nur scheu um die ecke geschaut, nun trampelt er uns allen auf dem kopf rum, der herbst. pedro hat die ersten regenschauer genutzt, um sich in marokko zum wellenreitexperten zu entwickeln. das gibt ihm nun den nötigen groove, um die nieselige zeit zu überstehen. eigentlich sind sie ja gute freunde, er und der herbst. bei einem bestimmten sonnenstand wird pedro immer ganz sentimental, vor allem wenn er in berlin auf dem berg im friedrichshain steht. überhaupt sollten alle haare immer so leuchten wie jetzt, sollte es ganzjährig knackige steinpilze und federweißer geben. doch so schön er sich jetzt noch präsentiert, ist doch ziemlich klar, wo das ganze am ende hinführt. der herbst ist keine party, die man verlassen kann, bevor es schmutzig wird. und neben ihm am pokertisch lauert schon der winter, der sicher wieder ein straight flush auf der hand hat.
ganz nah dran an der vuvuzela ist die ukulele. in der geräuschkulisse allerdings wesentlich angenehmer. warum pedro dies so genau weiß? nun weil er gestern zufällig dem frankfurter ukulelenstammtisch beiwohnen durfte während im hintergrund fussball lief. als instrument hat die ukulele ja wohl ungefähr den bekanntheitsgrad wie die vuvuzela vor der wm, dennoch scheint sie menschen zu verzaubern. lustige menschen, wie sich festhalten lässt, die sich stundenlang über holzart und klänge ihrer ukulelen austauschen können. das ist irgendwie sympathisch und da pedro ja ohnehin eine sympathie für gitarren hat, fragt er sich, ob der ukulelenklang seinem charakter nicht doch noch besser entspricht. einen stammtisch hätte er auf jeden fall schon einmal.
was kann eine stadt besser charakterisieren, als die tatsache, dass die hotels am wochenende billiger sind als in der woche? Vielleicht noch der fakt, dass sich die einwohner ausgelassen an vergorenem apfelsaft vergehen und dies als spezialität verkaufen? aber das eben auch nur in der woche. nun ja. frankfurt. pedros hassliebe zu diesem ort hat gestern wieder einen schub bekommen, im furchtbar idyllischen königsberg und dem ziemlich ebenso idyllischen dahinterliegenden taunus. vor allem die millionen mäusefamilie im wald haben es ihm angetan. dank der klischeecabriofahrenden pärchen hielten sich aber liebe und hass wieder einmal die waage. pedro findet, dass frankfurt einem manchmal eine ganz schön große ambiguitätstoleranz abverlangt. aber das kann ja nur helfen in einer widersprüchlichen welt wie dieser auf dauer klarzukommen. denkt er sich und freut sich auf berlin am nächsten wochenende…
Pedro hat sich am vergangenen wochenende und feiertagen in allen möglichen sphären bewegt. vom after-work-clubbing im living über werbeschicki bei der adc ausstellung bis hin zu finnischer humppa-musik im wiesbadener schlachthof und einer ziemlich lustigen hochzeitsfeier in niederursel. die palette unterschiedlicher lebensstile ist damit voll ausgeschöpft und von absolutem amüsement bis krasser schockiertheit war auch alles an emotionen dabei. zusammenfassend lässt sich sagen: after-work-clubbing wird nicht pedros neue lieblingsbeschäftigung, die businesskasper reichen ihm bereits im nüchternen zustand. ansonsten ist pedro dann heute abend glücklich, wenn er mit vollem spargelmagen von den abenteuern der vergangenen tage träumen kann.
kann es sein, dass in deutschland jede region oder stadt denkt, sie hätte das bessere wetter? und kann es sein, dass das wetterempfinden multipliziert mit dem heimatgefühl eine unendlich subjektive wahrnehmung ergibt? jedenfalls haben alle behauptet, in frankfurt wäre das wetter besser als in berlin. bisher kann pedro das so nicht bestätigen, dafür zwitschern hier mehr vögel und die amseln sind irgendwie zutraulicher, es gibt omis, die ihre wassereimer in den gulli kippen und gackelnde enten, die vor rewe rumstehen. er findet, wenn man schon den wettstreit der regionen anregt, dann wenigstens in spannenden kategorien. so gut wie in mexiko wird das wetter hier eh nirgendwo.
pedro genoss nicht nur die ruhe sondern vor allem das unangerührte blau des himmels in den vergangenen tagen. und das fehlende blinken in der nacht. nun ist alles wie vorher und selbst mallorca urlauber küssten glücklich den frankfurter flughafenboden, nachdem sie wieder nach hause durften. pedro fand es äußerst spannend, wie sich das vulkan-drama auf wirtschaft und menschen ausgewirkt hat - fast hofft er, dass die menschen was draus lernen. wahrscheinlicher ist es aber, dass alle europäischen vögel nun wissen, was ruhe ist und anfangen, den flugverkehr bewusst zu terrorisieren.
einsamkeit. leere. kälte. zu ostern zeigt frankfurt sich von seiner ganz feiertäglichen seite. die zeitungen, mit denen sich die obdachlosen in der nacht zugedeckt haben, wehen durch die leeren alleen im bankenviertel. druffies stolpern aus den clubs und mischen sich mit den touristen, die suchend durch die gegend streifen. pedro hat sich mit seinem metallenen schlachtross durch die gesamte stadt bewegt und war mal wieder schockiert. frankfurt ist keine stadt, in der man klarkommt, wenn man nicht weiß wohin. per zufall ist er auf einem riesigen türkischen floh- und trashmarkt gelandet. das hat quasi seinen tag gerettet. aber da war er fast schon in höchst. er schraubt seine erwartungen weiter runter und freut sich auf’s wandern im taunus. komisch, wie konnte adorno hier so intelligente gedanken haben? warum hier und wieso so kritisch? pedro erscheint alles glatt und pragmatisch - wer nicht hineinpasst, bleibt eben übrig. oder fährt an ostern nach hause.
Auf einem Event, das seinesglichen sucht, hat sich Pedro kürzlich einem typischen Frankfurter Thema genähert. Der Integration. Das es kein einfaches Thema sein würde, hatte er geahnt. Und dass sowohl Horst Fischer aus Enkenheim als auch Balina Godfi aus Ostend etwas dazu zu sagen haben, macht es nicht leichter. Gekrönt von einer reizhustenähnlichen Moderation arbeiteten sich die fancy Integrationsdezernentin als auch idealtypische Feministinnen sowie die freien Wähler und andere Player auf dem Multikultimarkt der Gefühle ab. Ein Integrationskonzept, in das alle Bürger ihre Ideen einbringen können – soviel zur Vision.
Politik bleibt Politik bleibt Politik. Da hilft es dann auch nicht, wenn der journalistisch sicher sehr begabte Moderator durch einen angestrengt investigativen Ton und noch angestrengteres geisteswissenschaftliches Niveau versucht, den Plasberg zu mimen. Vielfalt bewegt Frankfurt. Aber wohin? Pedro musste danach jedenfalls schnell in eine alkoholbestimmte Region migrieren. Dank einigen Bier hat es da dann auch ganz gut mit der Integration geklappt.